Die Pathologie der Leber – der Ärger – Teil 1
5. April 2020
Der Gleichmut
17. April 2020

Angst aus Sicht der TCM

Prinzipiell hat jede Emotion auch einen funktionalen, physiologischen Charakter.

Angst hält uns am Leben.

Wenn wir über die Straße gehen, so sollten wir Angst haben, überfahren zu werden und daher zuvor nach links und rechts blicken, um zu prüfen, ob ein Auto kommt. Dies ist sinnvoll. Wann tritt somit Angst auf? Sie erscheint immer dann, wenn wir den Rand unserer Komfortzone erreichen. Aber:

Dort wo die Angst ist, ist oft der Weg, den wir gehen sollten.

Wenn wir uns unserer Angst stellen, erweitert sich unser Universum. Und wenn wir einmal nicht wissen, wo wir hingehen sollen, dann können wir nachsehen, wo unsere Angst gerade ist und genau dorthin gehen. Magisches wird geschehen. Was ist die Funktion der Angst hierbei? Angst aktiviert uns, macht uns wachsam und lässt uns neue Charakterzüge und Eigenschaften in uns entdecken, die wir vielleicht vorher nie für möglich gehalten haben.

In der chinesischen Medizin unterscheiden wir zwei Arten von Angst: 


  1. Die Angst aufgrund einer Schwäche des Nieren Yang: Hierbei sind wir starr vor Angst und wie erfroren und gelähmt. Hier gilt es diese Gefangenschaft im Wasserelement weiter zu wandeln in die Tatkraft des Holzelementes, sodass das Qi von der Niere in die Gallenblase, den Botschafter der Niere und General im Körper weiterfliest. Wir müssen in Bewegung kommen, denn wie heißt es so schön:

Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.

Um dies zu erreichen, gibt es eine ganz wundervolle Affirmation:

Ich mache das jetzt.

  1. Die Angst aufgrund einer Schwäche des Nieren Yin: Hier fehlen Ruhe und Gelassenheit, sodass wir panisch vor Angst sind. Diese Form der Angst, lässt sich am besten durch die Kontrolle des Erdelementes beseitigen, indem wir unsere Ratio aktivieren oder auch einfach Geborgenheit suchen. Auch hierfür gibt es eine ganz wunderbare Affirmation:

Alles ist gut.

Aber auch die TCM kennt das Prinzip der sinnvollen Angst. Wenn jemand beispielsweise zu sehr in seiner Shaoyin (Herz – Niere) Energie ist, sprich Herz über Kopf in einen Menschen oder ein Hobby verliebt ist, so kann ein klein wenig Angst ihn wieder auf den Boden der Realität zurückholen. Wenn jemand beispielsweise sein ganzes Wochenende damit verbringt ausschließlich an seiner heiß geliebten Modelleisenbahn zu werken und dadurch seine Familie und seinen Beruf total vernachlässigt, kann es hilfreich sein, ihm ein klein wenig Angst zurückzugeben (sprich Dünndarm oder Blase zu tonisieren), sodass er wieder realisiert, dass er durch dieses Verhalten vielleicht seine Familie oder seinen Job verlieren könnte.

Mut ist nicht das Fehlen von Angst, sondern die Entscheidung, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als die Angst und in solchen Situationen das Richtige zu tun.

Angst steckt sehr oft hinter vielen anderen Emotionen und Charakterzügen. So wie Schüchternheit nichts anderes ist, als Angst vor zwischenmenschlicher Zurückweisung und Faulheit nichts anderes als Angst vor Überanstrengung, so ist Perfektionismus nichts anderes als Angst vor Misserfolg, um hier nur einige Beispiele zu nennen.

Wenn du heilen willst, hab keine Angst.

Selbstheilung für die Niere Online Kurs finden Sie hier!