Shiatsu Basisausbildung

Shiatsu ist eine eigenständige in sich geschlossene Form der ganzheitlichen, manuellen Körperarbeit, die ihre Wurzeln in japanischen und chinesischen Gesundheitslehren – im Besonderen in der Klassischen Chinesischen Medizin (CCM) – hat. Die Basis von und für Shiatsu ist die aus der CCM stammende Vorstellung von Meridianen, entlang derer sich unsere Lebensenergie Qi (japanisch: Ki) bewegt. Zuviel von dieser Energie, zu wenig oder ein gestautes Qi verursachen ein energetisches Ungleichgewicht in unserem Körper-Geist-Seele-System, das wir individuell wahrnehmen – etwa als Müdigkeit, als Verspannung, als Nervosität, als Erschöpfung oder als Schmerzen. Im Zentrum von Shiatsu steht das Beheben solch energetischer Ungleichgewichte, um das Wohlbefinden und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu steigern sowie körpereigene Abwehrkräfte zu aktivieren.

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Ablauf der Shiatsu Basisausbildung

Die Shiatsu Basisausbildung dient dazu, Shiatsu so kennen und erfahren zu lernen, dass gesundheitliche Alltags- beschwerden aus einer anderen Brille gesehen werden und ihnen auch entsprechend begegnet werden kann. Sie lernen spielerisch Zusammenhänge von Gesundheit und Krankheit, also von Symptomen und Beschwerdebildern, aus Sicht der Klassischen Chinesischen Medizin und im Speziellen aus jener der japanischen Shiatsu-Tradition zu deuten und an sich selbst bzw. im privaten Rahmen zu behandeln.

Es ist sowohl möglich nur einzelne Module zu besuchen, als auch die gesamte Kursserie. Jedes Modul ist in sich geschlossen und kann auch unabhängig von den anderen besucht werden.

Termine & Themen

Das erste Modul vermittelt einen erfahrungsorientierten Einstieg in das Konzept des Meridianshiatsu. Dabei werden sowohl allgemeine Grundlagen, wie jenes von Kyo & Jitsu, sowie seine Bedeutung für Diagnose und Therapie erklärt und am Körper erfahren. Eine erste Annäherung an das Konzept der fünf Wandlungsphasen und der daran anschließenden Klassifizierung der 12 Hauptmeridiane dient wiederum dem besseren Verständnis von Meridianfamilien als Grundlage für die konkrete Anwendung von Shiatsu.

Die erste Meridianfamilie umfasst, so wie jede der drei Meridianfamilien, vier der zwölf Hauptmeridiane. Die Meridiane der ersten Familie sind zum einen Milz und Magen (Wandlungsphase Erde) sowie Lunge und Dickdarm (Wandlungsphase Metall). Mit Lunge und Milz als jenen energetischen Organen, die als einzige nachgeburtliche Energie erzeugen, wird die erste Familie im Meridianfamilienmodell als energetisches Fundament unseres Körper-Geist-Seele-Systems verstanden.

Im Sheng- oder Schöpfungszyklus der Wandlungsphasen ist Erde die Mutter des Metalls, und somit der energetischen Organe Lunge und Dickdarm, die das zweite Meridianpaar der ersten Meridianfamilie bilden. Während der Funktionskreis der Milz primär für die Energieaufnahme aus der Nahrung verantwortlich ist, ist jener der Lunge für die Energieaufnahme durch die Atmung zuständig. 

Daraus erklärt sich auch warum Austausch – und komplementär dazu Abgrenzung – als zentrale Themen der Wandlungsphase Metall betrachtet werden können. Dies macht auch die Bedeutung von Struktur und Ordnung für diese Wandlungsphase verständlich; so zu sagen als Basis für ein ausgewogenes Verhältnis von Austausch und Abgrenzung. Das menschliche Gewebe, das dem Metallelement zugeordnet ist, ist die Haut, welche anatomisch die Außengrenze des menschlichen Körpers bildet. 

Hautbeschwerden haben nicht selten einen Zusammenhang zu dieser Wandlungsphase. Darüber hinaus drückt sich Metall auf einer körperlichen Ebene am stärksten in der Lungenregion und im oberen Brustbereich inklusive der Schultern aus.

Die zweite Meridianfamilie umfasst die Meridiane der Wandlungsphase Wasser (Niere und Blase) sowie zwei Meridiane der Wandungsphase Feuer (Herz und Dünndarm). Die Polarität von Wasser und Feuer, dem größten Yin und größten Yang, ist bestimmend für das Thema der zweiten Familie: Verbindung. Während eine mangelnde Verankerung des Feuers im Wasser für viele Beschwerden, wie etwa Unruhe und Schlafprobleme, verantwortlich ist, stärkt eine gute Verbindung von Feuer und Wasser unser Bewusstsein und trägt somit zu einer klaren Lebensführung bei. 

Im Hinblick auf das im Rahmen der ersten Meridianfamilie angesprochene Baummodell entspricht die zweite Familie dem Stamm des Baumes, der – sofern weder in der ersten noch zweiten Familie grobe Störungen auftreten – zielgerichtet nach oben wachsen und kräftig werden kann. Im Fokus des vierten Moduls steht die Wandlungsphase Wasser, die im Schöpfungszyklus als Sohn des Metalls (der ersten Familie) betrachtet wird. 

In energetischer Hinsicht ist eine zentrale Aufgabe der Nieren – als Speicher des Chi – das von der Lunge produzierte Atem-Chi zu ergreifen und somit für den Energiekreislauf verfügbar zu machen. Auf körperlicher Ebene äußert sich die Wandlungsphase Wasser, ebenso wie dieser entsprechende Beschwerden am deutlichsten im unteren Rücken, im Nacken sowie in den Knien und Füßen.

Der Zusammenhang der beiden Meridianpaare in der zweiten Familie, also Niere und Blase einerseits sowie Herz und Dünndarm andererseits, ergibt sich durch den Kontroll- und den Auflehnungszyklus der fünf Wandlungsphasen. Dabei werden nicht die Mutter-Sohn-Beziehungen der Wandlungsphasen, sondern jene von Großmutter und Enkel thematisiert. Während im Kontrollzyklus die Frage im Zentrum steht, welche Wandlungsphase welche andere kontrolliert, ist das Thema des Auflehnungszyklus die Frage, ob bzw. inwiefern der Enkel gegenüber der Großmutter rebelliert. Wasser, das größte Yin, ist die Großmutter des Feuers, des größten Yang. 

Seine Aufgabe ist zu kontrollieren, dass dieses auf angemessener Größe brennt und nicht zu wild lodert. Feuer drückt sich in Begeisterung und Freude für Dinge und Tätigkeiten aus – also, dass wir uns für etwas begeistern. Genauso wichtig, dass für etwas „brennen“, ist jedoch auch, dass wir dabei nicht „aus- brennen“, also in einem so genannten Burn-Out landen; welches nicht nur das Feuer, sondern eben auch das Wasser – also die zweite Meridianfamilie als Ganzes – schädigt.

Die dritte Familie setzt sich aus den Meridianen Leber und Gallenblase sowie Herzbeutel und Dreifacher-Erwärmer zusam- men. Die Wandlungsphasen dieser Meridianfamilie sind Holz und – so wie bereits in der zweiten Familie – Feuer. Allerd- ings handelt es sich um andere Aspekte des Feuers, die stärker – so wie das Holz – mit dem Ausdruck der persönlichen Identität zusammenhängen. Mit Blick auf das Baummodell entspricht die dritte Familie daher der Baumkrone. 

Es ist so gesehen auch kein Zufall, dass der Gallenblasen- und Dreifacher-Erwärmer-Meridian an den Außenseiten des Körpers verlaufen. Komplementär dazu verlaufen der Leber- und Herzbeutelmeridian an den Innenseiten der Arme und Beine. In diesem Sinne steht diese Meridianfamilie auch für die Vermittlung von (emotionaler) Innen- und Außenwelt. Im Fokus dieses Moduls steht die Wandlungsphase Holz mit den Meridianen Leber und Gallenblase. Holz steht im Schöpfungszyklus zwischen Wasser und Feuer, ist also das Kind des Wassers (der zweiten Meridianfamilie) und gleichzeitig die Mutter des Feuers, welches sowohl für die zweite, wie auch die dritte Familie konstitutiv ist. 

Wenn man bei Holz nicht an ein Stück Holz, sondern an das Material lebendiger Pflanzen denkt, ist naheliegend, warum das übergeordnete Thema dieser Wand- lungsphase mit Wachstum und Entwicklung zusammenhängt. Unausgeglichenheit in der Wandlungsphase Holz äußert sich meist in Stagnation, sei es körperlich in mangelndem Bewegungsspielraum als auch im übertragenen Sinne – etwa im nicht Fertigstellen von Projekten.

Innerhalb der dritten Familie ist der Zusammenhang der Wandlungsphasen wieder durch den Schöpfungszyklus gegeben, weil Feuer das Kind des Holzes ist. Der Fokus des siebten Moduls liegt auf den Feuer-Aspekten der dritten Meridianfamilie. Im Zentrum dieses Moduls stehen daher der Herzbeutel- und Dreifache-Erwärmer-Meridian. 

So, wie Ausdruck das übergreifende Thema der dritten Meridianfamilie ist, schlägt sich Druck von außen besonders in dieser Familie nieder. In diesem Sinne ist eine zentrale Aufgabe des Dreifachen-Erwärmers die Abwehr äußerer pathogener oder klimatischer sowie emotionaler Faktoren, die das Körper-Geist-Seele-System schädigen können. Er steht daher in mehrfacher Hinsicht für die Herstellung von Gleichgewicht, zumal es auch seine Aufgabe ist das Zusammenspiel der drei Brennkammern des energetischen Körpers zu regulieren. 

Die vorrangige Aufgabe des Herzbeutelmeridians liegt ebenso in einer Schutzfunktion, und zwar jener des Herzens. Die Feuer-Aspekte der dritten Familie – und insbesondere der Herzbeutelmeridian – stehen gemeinsam mit dem Lebermeridian jedoch auch in engster Verbindung mit der Sexualität; weil Emotionalität und die Fähigkeit sich gegenüber jemand anderem zu öffnen – also die Verbindung von Innen und Außen – gerade dabei einen zentralen Stellenwert hat. 

Die Feuer-Aspekte der dritten Familie, insbesondere des Herzbeutels, drücken sich körperlich am stärksten im mittleren Brustraum im Bereich des mittleren Brustbeins und am Rücken im mittleren Brustwirbelbereich (zwischen den Schulterblättern) aus.

Den acht Sondermeridianen oder außergewöhnlichen bzw. unpaarigen Leitbahnen wird im Allgemeinen die Funktion energetischer Ausgleichsreservoire zugeschrieben. Sie sind daher nicht am regulären Qi-Kreislauf der 12 Hauptmeridiane beteiligt. Die acht Sondermeridiane verfügen, bis auf die (sich in der Körpermitte befindliche) Aufnehmende Leitbahn und die Leitbahn der Steuerung auch nicht über eigene Akupunkturpunkte, sondern setzen sich aus Akupunkturpunkten der zwölf Hauptmeridiane zusammen. 

Sie stehen daher auch in einer besonderen Beziehung zu unterschiedlichen Haupt- meridianen und deren energetischer Qualität. Ihre Aufgabe liegt darin, überschüssige Energie, bzw. überschüssiges Yin oder Yang zu speichern und im Bedarfsfall verfügbar zu machen. Die gezielte Behandlung bestimmter Sondermeridiane hilft dabei, energetische Ungleichgewichte wieder ins Lot zu bringen; insbesondere falls sich diese nicht oder nur schwer über die Arbeit mit den Hauptmeridianen regulieren lassen. 

Der Fokus in diesem Modul liegt darauf, einen Einblick in die Bedeutung und die Möglichkeiten der Arbeit mit Sondermeridianen in der Shiatsu-Praxis zu geben.

Die Effektivität von Shiatsu-Behandlungen lässt sich durch bestimmte ergänzende Therapieformen zum Teil deutlich verbessern. Besonders Schröpfen, Moxibustion und Ingwerkompressen spielen dabei eine wichtige Rolle. Moxibustion, das gezielte Erwärmen bestimmter Akupunkturpunkte mittels Moxa-Zigarre wird in der Klassischen Chinesischen Medizin sogar als eine der Akupunktur ebenbürtige Behandlungsmethode erachtet. 

Ingwerkompressen sind zwar ebenfalls eine Form der Wärmeanwendung, die sich insbesondere im Shiatsu als ergänzende Therapieform etabliert hat, jedoch mit ein- er qualitativ anderen Wirkrichtung als Moxibustion. Schröpfen, der therapeutische Einsatz von Unterdruck mittels Schröpf- gläsern, hat seine Ursprünge in unterschiedlichen traditionellen Heilverfahren westlicher und östlicher Herkunft; lässt sich jedoch optimal mit dem methodischen Zugang der Klassischen Chinesischen Medizin und Shiatsu verbinden. 

Während Moxibustion tendenziell als (Yang) tonisierende Behandlung eingesetzt wird, haben Ingwerkompressen zwar ebenfalls eine yangisierende, aber auch zerstreuende, sedierende Wirkung. Schröpfen wiederum ist ein stark ausleitendes, also ebenfalls sedierendes Verfahren, jedoch ohne Wärmezufuhr; was wiederum andere Einsatzbereiche ermöglicht.

Das letzte Modul dient der Integration und Reflexion der Lehrinhalte, der Besprechung womöglich offen gebliebener und/ oder sich aus der Praxis ergeben habender Fragen. Im Rahmen dessen ist ebenfalls eine Abschlussprüfung vorgesehen, die nicht zuletzt dazu dient, zu sehen, welche Punkte den Teilnehmenden noch unklar sind, um diese dann gezielt noch einmal aufgreifen zu können.

Shiatsu Basis-ausbildung

Oktober 2018 bis Juni 2019

Samstags: 10:30 – 17:00
Sonntags: 14:30 – 17:30

 

10 Module 

 

Alle Details finden Sie in unserer Lehrgangsbroschüre

Ihr Shiatsu Ausbildungsleiter

Univ.-Lekt. Mag. Dr. Jan Brousek

+43 660 167 73 67
shiatsu@psoma.at

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