Acht Mythen über Qigong und Dr. Christopher Po Minars Antworten darauf


Acht Mythen über Qigong und Dr. Christopher Po Minars Antworten darauf.

 
Authentisches Qigong kann man nur in China lernen.

Genauso wie man Walzer nur in Wien lernen kann, Fußball nur in Brasilien, Karate in Japan und selbstverständlich Yoga nur in Indien. Es mag vielleicht sein, dass man nach mehreren Jahrzenten des täglichen stundenlangen Übens vielleicht wirklich an die Quelle sprich den Ursprungsort einer Kunst gehen muss, um mehr zu erfahren, aber bis man an diesen Punkt gekommen ist, dauert es sehr, sehr, sehr lange.

Qigong ist nichts für mich, da ich nicht ruhig genug bin.

Genauso wie Duschen und Baden nichts für einen ist, wenn man zu schmutzig ist. Je unruhiger man ist, desto besser ist es für Qigong. Wer von Haus aus wirklich konstant tiefenentspannt ist, benötigt vielleicht gar kein Qigong.

Ich schaffe es im Qigong nicht meine Gedanken loszuwerden. Üben ist sinnlos.

Ich schaffe es auch nicht. Zumindest nicht immer. Ich bin nämlich ein Mensch mit einem Gehirn. Zeitweise gelingt es mir sie in den Hintergrund zu drängen, indem ich sie durch eine absichtslose Wahrnehmung ersetze. Zu anderen Zeiten werden meine Gedanken (auch während des Übens von Qigong) auch sehr aktiv. Den Großteil meiner Ideen beruflicher oder welche auch immer Art hatte ich während des Qigong.

Qigong zu erlernen benötigt sehr viel Zeit und ist sehr schwierig.

Nein ist es nicht. Schon nach kurzer Zeit kann man selbstständig üben. Es ist nur so, dass man mit der Zeit immer besser wird und sich daher neuen und anderen Herausforderungen stellt.

Ich habe schon ein paar Qigong Stunden absolviert. Ich weiß wie es geht.

Natürlich ist man nach ein paar Stunden Qigongunterricht in der Lage selbstständig gut zu üben. So ähnlich wie man nach ein paar Klavierstunden in der Lage ist gut zu üben. Wer allerdings ernsthaft Klavier auf hohem Niveau spielen möchte, wird schon ein paar Unterrichtseinheiten mehr benötigen, vielleicht hunderte oder tausende. Gleiches gilt für Qigong.

Ich mache andere Dinge zur Entspannung, deshalb benötige ich kein Qigong.

Entspannen und Qigong zu vergleichen ist in etwa so, als ob man sagen würde, dass in der Badewanne Liegen dasselbe wie Tiefseetauchen ist. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten, aber letztlich ist es doch nicht ganz dasselbe, um nicht zu sagen komplett etwas Anderes.

Natürlich stellt Entspannung einen Teil der Therapiemethode Qigong dar, aber Entspannung gibt es in vielen Therapieformen. Wenn wir chirurgisch therapiert werden, liegen wir auch entspannt auf dem Operationstisch. Ist deswegen Chirurgie eine Entspannungsmethode?  Im Regelfall beginnen wir Qigong mit einer Entspannungsphase, ähnlich wie eine Operation mit einer Narkose beginnt. Der Chirurg narkotisiert mithilfe des Anästhesisten sein Objekt der Begierde, damit er nicht mit ihm reden muss. Der Qigong Praktizierende narkotisiert sich selbst, damit er auch nicht mit sich reden muss. Entspannung ist daher im Qigong nur der Anfang, die ersten paar Prozent.

Ich möchte keine Qigong Übungen machen, die nicht zu meinem Krankheitsbild passen.

Jede Qigong Übung passt für jedes Krankheitsbild, da mit jeder Qigong Übung die Selbstheilungskräfte aktiviert werden und der Körper in einen Zustand versetzt wird, in welchem Heilung besser von statten gehen kann. Natürlich ist es aber auch möglich, Übungen gezielt für bestimmte Organe und Beschwerden durchzuführen, allerdings nicht zwingend notwendig. Einfache Grundlagenübungen, welche die Grundprinzipien des Qigong lehren, sind durch nichts zu ersetzen!

Qigong ist mir zu ruhig.

Haben Sie schon einmal versucht gleichzeitig den Kopf in Richtung Himmel zu strecken, die Füße Richtung Erde zu senken, das Becken zu kippen, die untere Wirbelsäule zu entspannen, den Nacken aufzurichten, die Schultern und Schulterblätter zu entspannen, Arme und Beine zu entspannen, alle Gelenke des Körpers durchlässig zu machen, mit dem Herzen und den Mundwinkel zu lächeln, den Atem zu beobachten, die Stille zu hören, die Gedanken loszulassen, das Energiefeld um eine herum wahrzunehmen oder jeden Teil des Körpers so langsam wie möglich gleichzeitig zu bewegen ohne still zu halten? Wer also meint, er bräuchte Beschäftigung, um sich zu entspannen, willkommen in der Welt des Qigong und Taiji. Weit, weit weg vom Nichtstun und doch ganz nahe daran. 🙂

 

Herzlichst,

Christopher Po Minar

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