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Funktionieren Sie nur oder leben Sie schon?

Stehen Sie morgens auf und denken sich „Ich habe keine Lust“? Am Weg zur Arbeit denken Sie an den nächsten Urlaub. In der Arbeit laufen die Kolleginnen und Kollegen grimmig durch die Gegend. Der Termin beim Arzt ist unergiebig, weil der Arzt auch grimmig war. In der Bahn schaut ihr Sitznachbar grimmig aus dem Fenster. Sie schauen ebenso grimmig aus dem Fenster und fragen sich: „Wozu mache ich das alles?“

In einer Großstadt leben immer mehr Menschen auf wenig Platz. Die Anforderungen im Job steigen und die Herausforderungen im Alltag nehmen zu. Sie sind in Ihrem Alltag (der mitunter vollgefüllt ist) gefangen und fragen sich wo „das Leben“ geblieben ist. Man träumt vom Urlaub und hofft, dass alles besser wird. Doch was wird im Urlaub gemacht? Eine Sehenswürdigkeit jagt die nächste, der schnellste Weg zum Buffet wird ausgekundschaftet, der Partner oder die Partnerin möchte endlich wichtige Gespräche führen, am Strand drückt man am Handy herum und abends schaut man sich eine irgendeine Hotel-Aktivität an.

Ich stelle hier die Fragen: Ist der schnellste Weg zum Buffet tatsächlich sinnstiftend? Ist das Sehen jeder Sehenswürdigkeit erfüllend oder muss man nur das Fotoalbum (oder den Facebook/Instragram-Account) befüllen? Ergeben 5 gleiche Bausteine in einem Online-Spiel sammeln tatsächlich einen persönlichen Sinn? Erfreut Sie die tägliche Hotel-Aktivität (Animation/Programm) wirklich?

Sind Sie frustriert? Ja? Haben Sie Freude an Ihren Aktivitäten? Nein? Wann hatten Sie das letzte Mal das Gefühl in Balance zu sein? Schon länger her?

Ein ständiges Funktionieren und der Verlust der Balance führen dazu, dass man in eine existenzielle Frustration gerät und den Sinn im Leben verliert. Man wird im Alltag immer mehr beeinträchtigt, hinterfragt die Zukunft bzw. Vergangenheit und verliert Stabilität. Es ist eine Spirale, die sich immer schneller dreht. Schlussendlich führt dieses „Funktionieren“ auch zum Verlust von Energie. Diese steht dann im schlimmsten Fall – auch für Dinge die man eigentlich bisher immer gerne gemacht hat – nicht mehr zur Verfügung.

Wie uns die Logotherapie von Viktor Frankl lehrt, gibt es neben den Bedingtheiten auch eine Fülle an Möglichkeiten und Freiräumen. Erkennt man diese Möglichkeiten und entwickelt man ein Bewusstsein für die eigenen Freiräume, so erlebt man Bereicherung und Erfüllung.

Es liegt an einem selbst, sein Leben in die Hand zu nehmen, aus der Opferrolle und dem Gefühl der Machtlosigkeit herauszutreten und zu sagen: „Ich entscheide, wie ich mein Leben gestalten möchte. Mit dem Bewusstsein (kleine) Freiräume zu haben, erlebe ich mich als Gestalterin bzw. Gestalter meines Lebens. Ich fühle mich selbst-, anstatt fremdgesteuert und so gelingt es mir viel besser, Unveränderbares positiver anzunehmen.“

Vielleicht hilft die „Sinn-Sensibilisierungsübung“ von Elisabeth Lukas, die ich Ihnen sehr ans Herz legen kann. Bei kleinen alltäglichen Entscheidungen (und bei großen erst recht) kann man sich 5 folgende Fragen stellen und für sich die entsprechende Antwort herausfinden.

 

  1. Was ist mein Problem?

Das Problem darf nicht zu vage bleiben und sollte nicht „ungreifbar“ sein. Es soll an einem konkreten Sachverhalt festgemacht werden. Denn nur dann können Sie Stellung dazu beziehen.

 

  1. Wo ist mein Freiraum?

Das am konkreten Sachverhalt festgemachte Problem ist natürlich mit der persönlichen Historie verbunden. Es mag daher Anteile haben, die nicht veränderbar sind. Aber es gibt auch Anteile, die Sie verändern können. Sie sollten daher von den nicht zu verändernden Dingen die Aufmerksamkeit abziehen und sich auf den freien Aktionsspielraum konzentrieren. Dort gehört die Aufmerksamkeit hin!

 

  1. Welche Wahlmöglichkeit haben Sie?

In diesem freien Aktionsspielraum gilt es die verschiedenen Wahlmöglichkeiten zu sammeln. Dies muss aber möglichst neutral und ohne Wertung geschehen. Mitunter kann es zu Überraschungen kommen und Sie stellen fest, dass sie mehr Wahlmöglichkeiten haben als Sie glauben.

 

  1. Eine davon ist die sinnvollste …?

Jetzt gilt es, die sinnvollste Wahlmöglichkeit zu finden. Dazu muss man seine Herzensweisheit einladen. Die innere Stimme, die in uns ruht.

 

  1. Diese Eine will ich verwirklichen!

Niemand kann Ihnen diesen Schritt abnehmen. Es erfordert anfänglich viel Mut, aber mit der Zeit formt sich aus den vielen kleinen Tagesentscheidungen eine Orientierungslinie, aus der Sie schöpfen können.

 

Probieren Sie es einfach aus und lassen Sie die Veränderung geschehen…

 

Roman Mört / 07.09.2019