Taiji Training in China

“You have to lower your bodyweight a little bit more.”

Jeder TCMler der ein wenig Zeit in China verbracht hat, kann mit Sicherheit zahlreiche Geschichten erzählen, die einen geselligen Abend füllen würden.

Heute darf ich ein paar Worte über mein Taiji Training in einem wundervollen Park gleich in der Nähe meines Studentenheims in der Stadt Chengdu berichten. Bei einer meiner China Aufenthalte hatte ich nämlich das Privileg mit einer Studentengruppe Thai Qi trainieren zu dürfen. Und so pilgerte ich jeden Abend um 19:00 mit meinem Rad zum nächstgelegenen Park, wo man sich in einer ruhigen Ecke zum gemeinsamen Training traf.

Das Wichtigste in aller Kürze: Noch nie hatte ich so einen schlimmen Ganzkörper Muskelkater wie nach meinem ersten Training, vor allem in den Beinen. Wer denkt, dass Taiji Quan ruhig und entspannend sei, dem kann ich auch anderes erzählen.

Die dortige Studentengruppe trainierte hauptsächlich Chen Stil Taiji, was soviel bedeutet wie unentwegt tief in der Hocke zu stehen, dass die Oberschenkel Muskeln nur so zittern und brennen.

Während man gefühlstechnisch bereits mit seinem Gesäß während der Übungen am Boden entlang schleift, hörte ich damals immer wieder diesen einen englischen Satz, den der Lehrer besonders gut konnte:

„You have to lower your body weight a little bit more”.

Noch heute höre ich diesen Satz in meinen Ohren und ein Schaudern überkommt mich.

Und so vergingen dann zwei harte Stunden, bis man völlig schweißgebadet mit dem Rad wieder nach Hause fuhr. Jeden Tag? Jeden Tag. 7 Tage die Woche. Und wehe, jemand kommt auch nur ein einziges Mal in der Woche nicht zum Training. So etwas wurde mit tiefster Verachtung bestraft.

Am Ende meines Aufenthaltes erfuhr ich dann noch, dass diese täglichen zwei Stunden, harten Trainings ja nur die Abendsession sei.

Alle anderen kämen selbstverständlich auch zur Morgensession, welche ebenso von 6-8 Uhr in der Früh stattfand. Und dies natürlich jeden Tag. Sieben Tage die Woche.

Ich darf meinen Lehrer zitieren:
„Normalerweise würde sie ja eh viel mehr trainieren. Aber nachdem gerade Prüfungszeit war und alle Studenten so viel lernen mussten und manche ja auch noch einen Nebenjob hatten, gingen sich nur läppische vier Stunden pro Tag aus.“

In diesem Sinne, viel Vergnügen beim Üben!

Herzlichst
Christopher Po Minar

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