Über die Wichtigkeit einer gesunden Mitte und warum Gleichmut so wichtig für unser Verdauungssystem ist

Bereits im 12. Jahrhundert nach Christus erkannten die Chinesen die ungeheure Wichtigkeit des Verdauungs- und Stoffwechselapparates für die Gesundheit des Menschen. Li Dong Yuan, ein Arzt der damaligen Zeit, gründete die sogenannte „Schule der Mitte“ und schrieb die Abhandlung über Milz und Magen, im Wesentlichen den Klassiker der TCM über Magen-Darmerkrankungen. Allerdings waren nicht nur Erkrankungen des Magen-Darmtraktes Inhalt seines Werkes. Er ging sogar noch einen Schritt weiter, und behauptete, dass fast alle Erkrankungen über eine Stärkung des Verdauungsapparates zu behandeln seien.

Auch heutzutage ist die Schwäche des Verdauungs- und Stoffwechselapparates die am häufig- sten gestellte Diagnose in der TCM. Man nennt dies im Fachjargon eine „Milz-Qi-Schwäche“, wobei der Begriff der Milz eigentlich ein historischer ist, sprich nicht so sehr mit der anatomischen Milz zu tun hat, sondern eigentlich als Synonym für die Fähigkeit des Körpers verwendet wird, Nahrungsmittel aufzuspalten, Nährstoffe aufzunehmen und das auszuscheiden was er nicht benötigt, sprich die Funktion des gesamten Magen- Darmtraktes beinhaltet. Das gesamte Feld der TCM Ernährung nach den 5 Elementen sieht die Stärkung dieser Mitte als absoluten Kernpunkt an.

Was führt zu einer schwachen Mitte?
Die Ursachen sind vielfältig. In den meisten Fällen sind es natürlich schlechte Nahrungsgewohnheiten, sprich die Menschen essen zu viele denaturierte Nahrungsmittel, die sie dann mit der Zeit auch nicht mehr vertragen. Bei der Ernährung achten die Chinesen immer darauf nicht zu viel befeuchtende bzw. verschleimende Nahrungsmittel einzunehmen. Als verschleimende Nahrungsmittel gelten allem voran Milchprodukte, vor allem mit Zucker kombiniert und eiskalt gegessen. Auch ein Übermaß an Brot und Gebäck ist nicht förderlich. Des Weiteren ist natürlich die ganze Süßwaren- und Mehlspeisenabteilung sehr verschleimend. Es ist immer wieder amüsant, wenn TCM Ärzte nach Europa kommen und dann schockiert sind, wieviel Feuchtigkeit und Schleim jeder Europäer zu haben scheint. Dies liegt schlicht und einfach an unseren Ernährungsgewohnheiten, die eben genau jene verschleimenden Nahrungsmittel zu viel beinhalten. Aus dieser Verschleimung kann sich im Laufe der Jahre dann ein sogenanntes „Yin-Feuer“ entwickeln. Dies ist das Konzept der TCM für chronische Entzündungsprozesse. Man kann sich dies bildlich wie einen Sumpf oder Komposthaufen vorstellen, der sich langsam im eigenen Körper bildet. Wenn man sich einen Komposthaufen im Winter ansieht, sieht man, dass dieser dampft, weil im Inneren Hitze erzeugt wird. Diese Art von Hitze nennt man „Yin-Feuer“ und ist eine sehr feine, unterschwellige, verborgene Hitzequelle, welche chronische und vor allem hartnäckige Entzündungsprozesse auslösen kann.

Andererseits schlägt sich auch der moderne Lebensstil sehr häufig auf Magen und Darm. Der Stress-, Zeit- und Leistungsdruck der modernen Gesellschaft fordert unser sogenanntes Holzelement im Körper, welches für Wachstum und Fortschritt zuständig ist. Das zugehörige Organ entspricht der Leber, welche meist dadurch überfordert wird. In der TCM nennt man dies dann eine Leber-Qi-Stagnation. Dies schlägt sich dann oft auf unseren Magen- und Darmtrakt. Die Chinesen würden sagen: das Holzelement attackiert das Erdelement, welches dem Verdauungssystem zugeordnet ist. Resultat wäre im einfachsten Fall dann der häufige Reizdarm, es können aber natürlich auch Entzündungen und chronische andere Erkrankungen die Folge sein.

Die Chinesen ordnen allen Organen aber auch eine sehr starke psychische Bedeutung zu. Das, was den Magen- Darmtrakt am meisten belastet, ist übermäßiges Grübeln und Nachdenken. Das Denken ist nach Ansicht der TCM dasselbe wie verdauen, nur im Hirn. Wenn wir also ständig nachdenken und grübeln, ist das wie „nicht verdauen Können“ im Hirn, sprich die gesamte Energie des Verdauungsapparates wird auf eine geistige Ebene gezogen, sodass es im Bauch dann fehlt. Gerade die moderne Gesellschaft mit der ständigen Reizüberflutung durch Fernsehen, Computer und Handy sorgt dafür, dass genau dieser Bereich konstant gefordert und überfordert wird. Wenn es eine Tätigkeit gibt, die für den Magen-Darmtrakt am schlechtesten ist, so ist dies sicherlich die Computerarbeit. Die alten Chinesen sagten bereits, dass zu viel Sitzen die Milz belastet. Sitzen, Nachdenken und Grübeln ist somit das Schlechteste für diesen Bereich unseres Körpers. Meistens atmen wir dann auch nicht gut, vor allem wenn wir nicht aufrecht sitzen, sodass dann keinerlei Bewegungen in den Magen-Darmtrakt kommt, da sich das Zwerchfell nicht ordentlich bewegt.

Das Erde Element gilt in der TCM als Vermittler zwischen allen anderen Elementen, was bedeutet, dass es auch von allen anderen Emotionen betroffen sein kann. Unser Verdauungsapparat kann unter Ärger, Angst, Trauer oder Aufregung leiden. Deswegen gilt es mit Gleichmut diese Emotionen zu dämpfen, damit sie nicht im Übermaß belasten.

Gleichmütig und gelassen durch das Leben zu gehen, stellt eine große Hilfe für unser Verdauungssystem dar.

In der Ernährung gilt es somit vor allem, ein Übermaß an befeuchtenden und verschleimenden Nahrungsmitteln zu meiden, sowie Milz und Magen zu stärken. Dies fängt bei einem warmen, gekochten Frühstück an. Hier kann man beispielsweise diverse Getreidebreis kochen. Die Chinesen essen meist eine Reissuppe, oder überhaupt eine Suppe in der Früh. Im Laufe des Tages sollten ordentliche, warme, gekochte Mahlzeiten am Speiseplan stehen. Ausreichend Schlaf und Erholungsphasen sind natürlich wichtig, vor allem auch viel Bewegung. Es ist die Durchblutung, welche ganz zentral für eine gute Verdauung ist. Um Feuchtigkeit und Schleim aus dem Körper zu bringen, muss daher für eine gute Durchblutung gesorgt werden. Dies geht am einfachsten dadurch, dass wir uns bewegen.

Ein wichtiger Akupressurpunkt für den Magen- und Darmtrakt:

„Das Qi nähren“ (Zusanli – Magen 36)

Lokalisation des Punktes

Ein Querfinger lateral (seitlich aussen) der Schienbeinvorderkante in Höhe des Unterrandes der Tuberositas tibiae, vier Querfinger unterhalb der Knieschiebenunterkante.

Funktion des Punktes

Zusanli ist wohl der wichtigste Punkt, um Qi im Körper zu stärken. Er tonisiert vor allem das Qi der Milz und reguliert Magen und Darm. Er hilft somit bei Verdauungsbeschwerden aller Art und gegen Müdigkeit.

Christophers Geheimtipp

Man kann diesen Punkt mit dem Daumen pressen oder auch gleich mit den vier anderen Fingern diesen ganzen Bereich am Magenmeridian. DER Punkt für alle Bauchbeschwerden und Müdigkeit!

Herzlichst,

Christopher Po Minar

2 Kommentare

  1. Mag. Ilse Zeiner sagt:

    Danke für diese interessante Information! Wie lange muß der Punkt gedrückt werden? Und wahrscheinlich umso öfter umso besser ?

    • Kevin sagt:

      Ich würde empfehlen, die Punkte 1-2x am Tag und 1-2 Minuten pro Seite zu massieren. Versuchen Sie diesen Bereich zu ertasten, welcher punktgenau am schmerzempfindlichsten ist und diesen ganz besonders zu stimulieren.
      Viel Erfolg!
      Herzlichst,
      Christopher Po Minar

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